Psychische Belastung vs. Stress. Was verstehen Sie darunter?

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Psychische Belastung vs. Stress. Was verstehen Sie darunter?

Sprechen ich mit Interessenten und Kunden über das Thema psychische Gesundheit bei der Arbeit, so werden die Begriffe psychische Belastung und Stress häufig als Synonyme verwendet. Da es jedoch Unterschiede in der jeweiligen Bedeutung gibt, ist es mir wichtig, zu Beginn einmal auf diese einzugehen und anhand von Beispielen zu zeigen, wie wir psychische Belastung und Stress im Arbeitsalltag wahrnehmen.

Wo liegen die wissenschaftlichen Grundlagen psychischer Belastung?

Bevor ich jedoch zu den Beispielen komme, krame ich zunächst in meinem Literaturfundus und gehe in das Jahr 1975 zurück. In diesem Jahr legten die Forscher Rohmert & Ruthenfranz mit dem Belastung-Beanspruchungsmodell wesentliche Grundlagen für die heutigen Betrachtungen von psychischer Belastung und Stress.

Nach dem Prinzip von Ursache und Wirkung beschreibt dieses Model den Zusammenhang von einer Arbeitssituation und deren Wirkung auf die arbeitende Person. Dabei wird die Belastung als die Einwirkungsgröße gesehen, also die Ursache. Und die Beanspruchung als die Auswirkung auf den Arbeitenden. Wie stark sich dabei eine Belastung auf den Menschen auswirkt, wird im wesentlichen durch die Dauer und Höhe der Belastung sowie den persönlichen Fähigkeiten des Arbeitenden beeinflusst.

Wie sind psychische Belastung und Beanspruchung definiert?

Einige Jahre später diente das Belastungs-Beanspruchungmodell dann als Grundlage, um in der DIN EN ISO 10075 die Begriffe psychische Belastung und psychische Beanspruchung allgemeingültig zu definieren.

Die DIN Norm 10075 beschreibt den Begriff psychische Belastung als “die Gesamtheit aller erfassbaren Einflüsse, die von außen auf einen Menschen zukommen und diesen psychisch beeinflussen”. Dabei unterteil die Norm psychische Belastung in insgesamt vier Kategorien:

  • Anforderungen aufgrund der Arbeitsaufgabe (z.B. die Aufgabeninhalte, die Arbeitszeit oder die Anzahl der zu verarbeitenden Informationen)
  • Physikalische Einflussfaktoren (z.B. die Beleuchtung, klimatische Bedingungen am Arbeitsplatz oder Lärm)
  • Soziale und organisationale Einflussfaktoren (z.B. das Führungsverhalten von Vorgesetzten, das Betriebsklima oder Konflikte)
  • Gesellschaftliche Faktoren (z.B. wirtschaftliche Lage oder gesellschaftliche Normen)

Ingesamt ist der Begriff der psychische Belastung als neutral zu betrachten, da er lediglich die Ursachen beschreibt. “Die unmittelbare Auswirkung von psychischer Belastung” (DIN EN ISO 10075) auf den Menschen, wird erst durch den Begriff der psychischen Beanspruchung beschrieben. Und hier kommt dann auch der Begriff Stress zur Anwendung.

Was sind Reaktionen und Effekte von psychischer Belastung?

Grundsätzlich werden durch psychische Belastung sowohl positive als auch negative Effekte ausgelöst. Positive Effekte sind zum Beispiel das Lernen und die Kompetenz-entwicklung. Erst in Zusammenhang mit den negativen Folgen von psychischer Belastung können kurzfristig Stressreaktionen, Leistungsabfälle oder Ermüdung auftreten. Im schlimmsten Fall kann psychische Überlastung langfristig zu psychischer, emotionaler und/ oder physischer Ermüdung führen.

Aber wie nehmen wir psychische Belastung und Stress im Arbeitsalltag war? Hier ein Beispiel:

Wer kennt es nicht, auf Arbeit ist viel zu tun und es sind viele Aufgaben unter Zeitdruck zu erledigen oder es steht eine Präsentation vor mehreren Personen bevor.

Jetzt gibt es verschiedene Möglichkeiten, wie der Mensch auf diese Situationen reagiert. Die eine Person ist positiv gestimmt und sagt sich: “Kein Problem, das schaffe ich!”. Ein andere Person reagiert negativ und fühlt sich in solchen Situationen überfordert und gestresst.

Ob Du diesen Situationen als positiv oder negativ wahrnimmst, hängt im wesentlichen von den eigenen Erfahrungen, Fähigkeiten und erlernten Verhalten ab. Wurde diese Situation schon mehrmals durchlebt, dann nimmt die Person diese wahrscheinlich als positiv wahr. Sie weiß, wie sie sich in solchen Situationen zu verhalten hat und sieht es als Chance persönlich zu wachsen. Ist die Person dagegen das erste Mal in so einer Situation und fühlt sich tendenziell überfordert, dann wird sie die Situation eher als negativ belastend wahrnehmen.

Eine Reaktion des Körpers könnte in so einer Situation das Gefühl von Stress sein. Der Körper geht dabei in einen erhöhten Alarmmodus und stößt in diesen Momenten Stresshormone, wie Adrenalin und Cortisol aus. Das führt wiederum dazu, dass sich der Herzschlag erhöht, der Blutdruck steigt und die Muskeln anspannen. Diese Reaktion des Körpers kann kurzfristig dazu dienen, die Situation erfolgreich zu meistern. Fühlen wir uns jedoch dauerhaft gestresst, kann dies krank machen. Besser bekannt als Born-Out.

Fazit:

Obwohl häufig das Gleiche gemeint wird, ist es wichtig die beiden Begriffe psychische Belastung und Stress zu unterscheiden

Psychische Belastung beschreibt die Ursache von psychischer Beanspruchung (Auswirkung auf den Körper).

Und Stress stellt eine mögliche Auswirkung von psychischer Belastung dar.

Haben Sie Fragen oder Anmerkungen? Dann freue ich mich über Ihren Kommentar oder kontaktiere mich einfach per Mail unter info@menschenkoenner.de.

PS: Sie wollen wissen, was meine Story zu psychischer Belastung am Arbeitsplatz ist? Dann lesen Sie diesen Artikel!

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